Die
Legende der P 800
Wird unter Puchfreunden von der P 800
gesprochen, dann geschieht das in einem verklärten Ton, als
würde man von dem für alle Zeiten verlorenen Paradies Atlantis
sprechen. Es wird von der innovativen Technik geschwärmt. Es
wird davon gesprochen welche Fabelpreise schon für Teile
dieser Maschine geboten würden und dann erst der
Siemens-Scheinwerfer, für den man angeblich so viel bekommt,
wie für eine perfekt restaurierte 250er aus den 1950er Jahren.
Gesehen hat sie aber noch kaum jemand – zumindest noch kein
fahrtüchtiges Exemplar.
Wie in der Zeitschrift "Oldtimer Praxis,
5/2004" berichtet wird, hat der Westfahle Friedhelm Wellner
gleich 2 dieser fahrenden Legenden auf die Räder gestellt.
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Schon 1936 eine
Sensation
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Teile der Puch P 800 werden heute fast
in Gold aufgewogen. Um ein
fahrtaugliches Exemplar zu finden, muss man lange
suchen... |
Schon als die Maschine 1936 auf den Markt
kam, war sie eine Sensation. Der Hubraum von 800ccm, ein
Vierzylinder- Viertaktmotor und ganze 20 PS die schon unter
400 U/min abrufbar waren, dazu eine Laufruhe die an eine
Turbine erinnerten. Das war am fast österreichischen Markt
eine absolute Sensation, und international immerhin
beachtenswert.
Vorerst blieb die Produktion der
Gendarmerie und dem Militär vorbehalten, nach und nach kamen
auch Zeitungszusteller und andere Privatpersonen zum Zug, doch
noch bevor die Nachfrage befriedigt werden konnte musste die
Produktion 1938 auf Anordnung der Nazi-Regierung eingestellt
werden. Denn großvolumige Maschinen sollten die Domäne von BMW
und Zündapp bleiben. Puch sollte sich auf Zweitakter bis 350
ccm beschränken.
Schon 1935 wurde unter der Leitung des
Herrn „Doppelkolben“ Marcellino einen Viertakt Boxer mit zwei
Zylindern und 750ccm entwickelt. Diese Maschine soll aber so
heftige Vibrationen erzeugt haben, dass die Fahrer bei den
Testfahrten wie reife Äpfel vom Motorrad gefallen sein sollen.
Zwar gab es bei Puch schon 1929 eine 500ccm Viertaktmaschine,
aber diese war mit einem zugekauften JAP-Motor bestückt. So
war diese 750er also diese erste Viertakt-Maschine der
Marcellino Ära ein klassischer Flop und konnte nicht in Serie
gehen. Doch da es keine Firmenaufzeichnungen darüber gibt,
bleibt Vieles im Bereich von Gerüchten und Hörensagen. |

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Zylinderköpfe waren für den
Restaurator Wellner weder für Geld noch
für gute Worte aufzutreiben. Diese mussten neu gegossen
werden.

Ein Anblick der nur wenigen
vorbehalten bleiben dürfte -
eine Puch P 800 auf der Straße. |
Nur beinahe
ein Boxer
...
Der Stolz der Puch-Konstrukteure war aber
offensichtlich ungebrochen, und so machte man sich gleich
daran den nächsten Motor zu entwickeln. Diesmal sollte es eben
dieser Vierzylinder sein. Entgegen der landläufigen Meinung
kam dabei aber kein echter Boxermotor heraus, sondern ein 170°
V Motor. Warum dieser Winkel gewählt wurde ist heute nicht
mehr klar, aber es gibt ja auch wesentlich modernere Ansätze,
in diese Richtung. So ist mir aus den 1980er Jahren eine für
Straßenrennen überarbeitete BMW in Erinnerung, bei der unter
hohem Aufwand nachträglich ein Zylinderwinkel von 170° gewählt
wurde, mit dem Ziel größere Schräglagen zu ermöglichen.
Natürlich war man 1936 nicht oft auf Betonpisten oder
Asphaltstraßen unterwegs, aber Bodenfreiheit wird wohl auch
damals ein wichtiges Merkmal für eine gute Konstruktion
gewesen sein.
Der Zylinderwinkel bedeutete einen enormen
Aufwand bei der Konstruktion der Kurbelwelle, bei der die
Hubzapfen ebenfalls um 170° versetzt sein mussten. Noch
anspruchsvoller wurde die Aufgabe der Konstrukteure dadurch,
dass man auf eine zusätzliche Schwungscheibe verzichten
wollte, und stattdessen Ringförmige Schwungmassen an den
Kurbelwangen befestigte. Diese sorgten zwar für den nötigen
Masseausgleich, aber man musste dadurch auf eine zusätzliche
Lagerung der Kurbelwelle verzichten. Durch den Verzicht auf
eine Schwungscheibe konnte man den Motorblock kompakt halten.
Um den zu erwartenden Torsionskräften standzuhalten musste die
Kurbelwelle in einem Stück geschmiedet werden.
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Die schwere Maschine war in erster
Linie als
Gespann-Traktor vorgesehen.
Bilder eines P 800 Gespanns finden Sie auf
www.mvca.at
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Schwierige
Restauration
Alle rotierenden Teile in Motor und
Getriebe sind nadel- oder rollengelagert. Das ist für
Restauratoren eine besondere Herausforderung, denn wenn die
Lager ein wenig eingefahren sind müssen aufwendig Übergrößen
organisiert werden, die dann auch oft nicht lange halten.
Ebenso kompliziert ist das nachbohren und planen der Zylinder,
da Zylinderkopf und Zylinderfuß nicht auf parallelen Ebenen
liegen.
Im Betrieb konnte es durchaus thermische
Probleme geben, da der Motor und das Getriebe das gleiche Öl
verwendeten. Die Zylinder wurden zusätzlich vom Öl gekühlt,
wodurch die Zylinder zwar kühl blieben, aber das Öl erreichte
mitunter zu hohe Temperaturen. Verschleißspuren im Getriebe
restaurierter Maschinen lassen darauf schließen.
Ein anderer sensibler Teil ist die im
Hinterrad befindliche Kupplung, die zwar normalerweise gut
arbeitet aber wenn sie das nicht tut, stellt sie hohe
Ansprüche an Werkstätten und Restauratoren.
Das Steuerkopflager – so wird berichtet –
ist ebenfalls eine heikle Stelle an der P 800. Wie bei den
meisten Puch Modellen jener Zeit sind die Kugel dieser Lager
zu klein dimensioniert und brechen deshalb.
Hat nun ein glücklicher Oldtimer Freund
alle Hindernisse überwunden, so hat er sicherlich nicht nur
ein Fabelwesen der Motorradgeschichte zum Leben erweckt,
sondern auch noch ein Motorrad, das durchaus für so etwas wie
Fahrvergnügen sorgen kann. Die legendärere Laufruhe des Motors
sorgt ebenso für Wohlbehagen wie das, trotz des enorm langen
Radstandes gute Handling der P 800. Da bleibt nur die Frage,
ob man sich mit einem Motorrad, das als unwiederbringliches
Museumsstück gehandelt wird, überhaupt auf die Straße wagen
soll.
Im nebenstehenden Bild von
www.mvca.at kann man sehr gut die V-Stellung der
Zylinder erkennen. |

Produktionsdaten:
Produktionszeit: 1936 bis 1938
Produktionszahl: 550 Einheiten
Motornummern: 75.001-75.550
Technische Daten:
Doppelschleifen Rohrrahmen,
Pressstahl Gabel
Motor:
4 Zylinder, Viertakt
20 PS aus 792 ccm
Bohrung 60mm
Hub: 70 mm
Verdichtung: 5:1
Getriebe: 4 Gänge
Abmessungen:
Länge: 2180mm,
Breite: 830mm,
Höhe: 1050mm
Achsabstand: 1427mm
Gewicht: 195 Kilogramm
Maximale Geschwindigkeit: 95 km/h mit
Seitenwagen, 125 km/h - solo
Reifen: 4.00-19 Zoll
Kraftstofftank: 17 L,
Ölvolumen: 3 L
Kraftstoffverbrauch: 6.5 L/100km mit
Seitenwagen, 4.5 L/100km - solo
Preis: 3200 österreichische Schillinge
(mit Seitenwagen)
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Motorräder |
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Quelle |
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Textfassung:
Webermichl ...
nach einem Report aus:
"Oldtimer Praxis",
2004, Heft 5.
Texter Till Schauen
Fotos: Stephan Lindloff
weitere Fotos:
www.mvca.at |
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