Puch 250 SGS (1953)

 

Die österreichische Überraschung am Pariser Salon


Puch 250 SGS - vorgestellt am Pariser Salon

Der Pariser Salon hat am 1. Oktober seine Pforten geöffnet. Wir wollen aber nicht auf die Fülle des Gebotenen eingehen, ohne zuerst über eine Maschine zu berichten, auf deren Beschreibung bereits viele Motorradfahrer mit Ungeduld warten. Die Existenz der Puch SGS ist schon seit langem bekannt, doch wussten wir über ihre endgültige Form bisher keinerlei Bescheid. In Paris wurde uns die Maschine nunmehr in ihrem vollen Glanz präsentiert. Gerade wegen ihrer langen Entwicklungszeit ist aus ihr etwas durchaus Geglücktes geworden.

Schalenrahmen in vollendeter Form ...

Die Aufnahme von der linken Seite der SGS zeigt den
stromlinienförmigen Behälter für Werkzeug, Horn und
Zündspulen.

Wie bei den kleineren Puch-Typen gelangt auch bei der SGS ein Schalenrahmen zur Verwendung, der auf der linken Seite einen großen, stromlinienförmigen Kasten trägt, in dem die beiden 3-V-Zündspulen, das reichliche Werkzeug und das Horn Platz finden. Die Batterie ist rechts in einem Kasten im Rahmen untergebracht, der, ebenso wie der linke Behälter, verchromte Zierleisten und ebenfalls verchromte Belüftungsschlitze hat. Das hintere Kotflügelende ist aufklappbar. Leichter Ausbau des Hinterrades wird so gewährleistet, insbesondere dann, wenn ein Beiwagen angeschlossen wird. In punkto Glattflächigkeit, Schönheit der Linienführung und Torsionssteifigkeit ist der SGS-Rahmen sicher einmalig, über den Tankinhalt haben wir uns sehr gefreut, er beträgt 12,5 Liter mit rund 3 Liter Reserve und den von der TF her schon bekannten Öltank.

Die hintere Vollnabenbremse, das Federbein und
das Zwischenstück auf der Achse; bemerkenswert
ist das aufklappbare Kotflügelende.

Verbesserungen rundum

Die neue Teleskopgabel ist laut Aussage der Puch-Leute gegenüber der TF-Gabel verbessert worden, doch konnten wir nicht in Erfahrung bringen, worin diese Verbesserung besteht. Sie dürfte hauptsächlich in einer guten Abstimmung der Dämpfung für hohe und höchste Geschwindigkeiten liegen. Die Abfederung des Hinterrades erfolgt durch eine Schwinggabel mit ölgedämpften Federbeinen.

Der Kettenkasten ist wiederum mit einem Schwinggabelarm, nämlich dem rechten, vereinigt und ist diesmal ebenso wie bei dem bereits bekannten Kettenkasten der 175er Modelle komplett geschlossen, so dass Staub- und Schmutzeintritt kaum mehr möglich ist. Ein verschließbares Schauloch gestattet die Kontrolle der Kettenspannung.

Die luftgekühlten Vollnabenbremsen aus Leichtmetall machen einen sehr wuchtigen Eindruck, derart große Bremsen sieht man normalerweise an 500ern! Die SGS-Bremsen haben laut Angabe von Puch 180mm Trommeldurchmesser und nicht weniger als 40 mm Backenbreite. Das sind richtiggehend alpengeborene Bremsen, man sieht ihnen das an. Nichts sieht da „verhungert" aus, auch die kühlrippenartig ausgebildeten Speichenflanschen machen einen soliden Eindruck.

Über die Hinterradmontage haben wir ebenfalls sehr Erfreuliches erfahren, sie lässt sich angeblich in einer runden Dreiviertelminute ohne Schwierigkeiten ausführen. Zum Entfernen der Steckachse dient wie bei den 175ern der Kerzenschlüssel. Aushängen der Bremsstange, Entfernen des Zwischenstückes links und Abziehen des Rades von den Mitnehmern auf der antriebsstoßdämpfenden Gummischeibe, die zwischen hinterem Kettenrad und Bremsnabe angebracht ist, sind die weiteren Stadien des Hinterradausbaues.

Wie die 175er Modelle, ist auch die SGS mit 16"-Rädern versehen. Dadurch ist die Bauhöhe sehr gering, man sitzt sehr nieder, auch der Soziussitz ist nieder angeordnet. Eine geringe Schwerpunkthöhe wird durch die 16"-Reifen ebenfalls ermöglicht, wodurch gute Fahreigenschaften erwartet werden können.

Nach verschiedenen Berichten hat die SGS eine wirklich gute Straßenlage und eine ebensolche Federung. Noch etwas fiel uns auf: der Federweg der vorderen Gabel ist geradezu ellenlang! Dieser besonders lange Federweg, der mit 125 mm angegeben wird, dürfte auch eine Ursache für die Verbesserung der Dämpfung der Teleskopgabel sein, er bezieht sich auf die bereits eingefederte Gabel unter Solobelastung. Die hintere Schwinggabel hat 85 mm Federweg laut Angabe. Die schön geschwungene Form des Vorderradkotflügels hat uns auch zugesagt. Am Rande soll hier noch ein nettes Detail vermerkt werden: Der sauber ausgeführte Fußbremshebel hat links hinter dem Getriebegehäuse einen verstellbaren Anschlag.

Der Motor

Der SGS - Motor von links hinten. Die seitliche
Zündkerze und die Vergaseranordnung sind
der Abbildung deutlich zu entnehmen.

Über den Motor konnten wir in Erfahrung bringen, dass er mit den in den Exportländern vorgeschriebenen Töpfen 16,5 PS bei 5800 U/min leistet.

Erstaunlich bei dieser Leistung ist das unter 250ern konkurrenzlose Höchstdrehmoment von 2,4 mkg. Steht im Prospekt, bravo, bravo, wir erfahren auch so etwas gerne! Im besonderen ist die Pleuellagerung verbessert worden. Auch im Schmiersystem soll Verschiedenes verbessert worden sein. Es handelt sich um eine Frischölschmierung ähnlich wie bei der Puch TF. Für die Gemischaufbereitung ist nur ein einziger 32er Puch-Vergaser senkrecht seitlich vom Zylinder vorgesehen. Die Mischkammer befindet sich wieder hinter der Schwimmerkammer, eine Anordnung, die uns von den 175er Typen her bekannt ist. Auffallend sind auch die beiden Zündkerzen, die eine ist links seitlich und die andere über dem hinteren Kolben eingeschraubt. Wahrscheinlich verlangt gute Entflammung des komprimierten Gemisches bei höchsten Drehzahlen, dass es an zwei Stellen in Brand gesteckt wird, womit kürzere Zündwege erreicht werden. Das Luftfilter ist übrigens schön groß und hat den Einlass dem Zylinder zugewendet. Der Antrieb des Getriebes erfolgt durch eine doppelte Hülsenkette im Ölbad bei einer Übersetzung von 2,32. Die Getriebeabstufung ist gleich der der TF: 1. Gang 1:2,75, 2. Gang l : 1,5, 3. Gang l : 1,4, 4. Gang l : 0,76. Die Hinterradantriebszähnezahlen sind 46: 16, das ergibt eine Hinterradübersetzung von 2,875 und damit eine Gesamtübersetzung von 5,09 im 4. Gang.

Die neue 45/60-W-Lichtmaschine, die mit einer 6-V/7-Ah-Batterie zusammenarbeitet, gestattet die Verwendung einer 35/35-W-Biluxlampe im 160er Scheinwerfer. Als Frühzündung werden 6 bis 7 mm angegeben. Normal kommt man mit 225er Kerzen aus, für scharfes Fahren dürften aber 240er angeraten sein. Zuletzt soll noch gesagt sein, dass eine von Hand einstellbare Lenkungsdämpfung vorhanden ist.

Mueller

Quelle

"Motorrad
Internationale Fachzeitschrift",
1953, Heft 41.

Technische Daten

Puch 250 SGS

Doppelkolbenzweitakter

Graugußzylinder

2 x 45 x 78 = 248 ccm

Verdichtung: 6,5 zu 1

Leistung 16,5 PS
bei 5800 U/min

Frischölschmierung

Doppelbatteriezündung (zwei Kerzen)

Duplexkette (Ölbad)

Rollenkette im Kettenkasten

Fußschaltung links

Schalenrahmen

ölgedämpfte Teleskopgabel

ölgedämpfte Schwinggabel-hinterradfederung
[Anmerkung: SGS steht für SchwingGabel Sport]

Vollnabenbremsen

Tank 12,5 Liter

3,50—16"-Reifen

Länge 198

Breite 68

Höhe 97

Sattelhöhe 71

Bodenfreiheit 14 cm

Vollgetankt 132 kg

Normverbrauch 3,2 Liter/100 km bei 73km/h

Höchstgeschwindigkeit
sitzend 110km/h,
liegend 122 km/h

Technische Daten

Die Fachpresse feierte die SGS
als Sensation.

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