Für harte Männer ...
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Die Puch S4 brachte dem Puchwerk einen
sehr guten Ruf -
auch außerhalb Österreichs |
Die erste Puch S 4, die ich mir
genauer ansah, weil ich sie kaufen wollte, enttäuschte und
verwirrte mich. Erstens fand ich sie nicht sehr schön und
zweitens war alles anders als bei anderen Motorrädern.
Natürlich war auch bei der S 4 vorn und
hinten ein Rad, in der Mitte ein Sattel, davor ein Tank und
darunter der Motor - aber bei kaum einem Detail gab es eine
konstruktive Verwandtschaft zu anderen Fabrikaten. Das begann
mit den besonders geformten Hebeln am Lenker und den nicht
umsponnenen Bowdenzügen, ging über die vom Getriebe
angetriebene Ölpumpe und endete bei der Kupplung, die sich in
der Hinterradnabe befand. In den späten 30er Jahren hatte die
250er Puch S 4 auch in Deutschland einen ausgezeichneten Ruf
als sportlich und gleichzeitig sehr sparsame Maschine, mit der
bei Gelände- und Zuverlässigkeitsfahrten ausgezeichnete
Erfolge errungen wurden, trotz der oft erheblich kritisierten
Straßenlage, die besonders im Gelände ganz harte Männer
forderte.
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Leistungselite dank Doppelkolben
,,Nach Art des Hauses" hatte die S 4
(Sport 4-Gang) den in Graz zu hoher Kultur entwickelten
Doppelkolben-Zweitaktmotor. In einem für die damalige Zeit
sehr reichlich verrippten Zylinder lagen zwei Bohrungen
nebeneinander, In denen sich zwei dünne, schlanke Kolben
bewegten, die durch ein gegabeltes Pleuel mit der Kurbelwelle
verbunden waren. Der eine der beiden Kolben steuerte den
Auslass- und den Ansaugschlitz, der andere die beiden
Überströmschlitze. Der Verbrennungsraum für beide Kolben war
gemeinsam, nicht rund, sondern eine Mulde, die beide
Zylinderbohrungen verband.
Der Grund für diesen erheblichen Aufwand
wurde klar, wenn man den Motor bei abgenommenem Zylinderkopf
langsam durchdrehte: Infolge der sich dabei aus der
Schrägstellung des Gabelpleuels ergebenden
Bewegungsverhältnisse eilte der Auslasskolben zwischen den
Tonpunkten dem Überströmkolben immer etwas voraus. Damit wurde
der Auslassschlitz (wie beim Zweitakter notwendig) vor dem
Überströmschlitz geöffnet, aber (wie beim normalen Zweitakter
nicht möglich!) auch vor diesem wieder geschlossen.
Ohne noch weiter auf Zweitakt-Theorie
einzugehen, ein paar Zahlen: Die S 4 hatte 10,5 PS bei 4000
U/min. Andere 250er Serien-Zweitakter lagen damals bei 8 bis 9
PS, mit Ausnahme der 1938, also vier Jahre nach der S 4
herausgekommenen Triumph BD 250, die stolze 12 PS hatte. Dazu
wurde aber bei Triumph ebenfalls ein Doppelkolben-Zweitakter,
sogar mit zusätzlichem Einlassdrehschieber gebaut, von dem
sogar die Kolben und die Kopfdichtung beim Puch S 4 Motor
passten. -Bitte lächeln Sie heute nicht über 10,5 oder 12 PS
eines 250er Zweitaktmotors. Diese Leistungen wurden bei rund
4000 U/min und mit sehr bescheidenen Verbrauchen erreicht,
schon bei geringen Drehzahlen stand ein hohes Drehmoment zur
Verfügung, man brauchte keine 5 oder 6 Gänge zu schalten, und
das dumpfe Knarren des Puch-Auspuffgeräusches, ab und zu von
einem ,,Niesen" unterbrochen, ging niemandem auf die Nerven.
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Der
ausgezeichnete Motor ...
Eine weitere Besonderheit der Puch S 4
war, dass die Kurbelwelle in Fahrtrichtung lag (beide
Bohrungen also gut gekühlt im Luftstrom) und dass die Maschine
dann aber Kettenantrieb zum Hinterrad hatte. Irgendwo musste
also die Antriebskraft um die Ecke gelenkt werden.
Die Puch-Konstrukteure machten das
zwischen Motor und Getriebe: Auf dem hinteren Ende der
Kurbelwelle saß, auf Feinverzahnung und damit in Längsrichtung
ausgleichbar - ein spiralverzahntes Kegelrad, das mit einem
etwas größeren Rad auf der (quer liegenden) ersten
Getriebewelle in Eingriff stand. Das Getriebe selbst war dann
normal ausgeführt, sehr kräftig ausgebildet und, wie alles an
diesem Motorrad, hervorragend gefertigt.
In besonders erfreulicher Erinnerung ist
mir noch, dass man die Kickstarterfeder nach Lösen einer
einzigen Schraube von außen mit der Zange auswechseln konnte,
ohne auch nur einen Tropfen Öl zu vergießen oder das Getriebe
auszubauen!
Motor und Getriebe waren also durch
Kegelräder in ständiger Verbindung, und wenn man den ersten
Gang einschaltete (anfänglich nur Handschaltung, später
kombinierte Hand-Fußschaltung) begann sich das Getrieberitzel
mit Kette und hinterem Kettenrad zu bewegen - ein etwas
ungewohnter Anblick, da sich das Motorrad dabei nicht
fortbewegte!
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Technisch
aufwendig ...
Fortbewegen tat es sich erst, wenn man
den Kupplungshebel am Lenker losließ. Das bewirkte, dass sich
zwei an der Innenseite des hinteren Kettenrades angebrachte
Bremsbacken spreizten und sich mit Servowirkung an die
Innenwand der großen Hinterradnabe anlegten. Servowirkung
heißt hier, dass der Anpressdruck und damit die Fähigkeit,
Kraft zu übertragen, umso größer wurde, je stärker die Kette
zog. Wenn der ganze Mechanismus in Ordnung war, konnte diese
Kupplung überhaupt nicht rutschen, auch wenn einer den Motor
auf 20 PS gebracht hätte.
Die Betätigung erfolgte über einen
Bowdenzug zur Hinterachse, in deren Bohrung sich ein
Druckstift bewegte. Das Ganze war etwas aufwendig und
komplizierter als hier beschrieben, funktionierte aber
eigentlich immer.
Die Gabelpleuel-Anordnung des Motors
machte es notwendig, ein Pleuelauge und den dazugehörigen
Kolbenbolzen mit Flächen, also seitlich verschiebbar,
auszuführen, da sich der Abstand der Bolzen bei Schrägstellung
des Pleuels geringfügig ändert. Die Flächen des dreiteiligen
Kolbenbolzens liefen direkt auf dem Material des vergüteten
Pleuelauges, eine auswechselbare Büchse gab es hier nicht.
Wenn dann im Laufe des Betriebes Verschleiß auftrat und die
Gleitsteinpassung Höhenluft bekam, musste ein
Übermaß-Kolbenbolzen besorgt und die Flächen des Langloches im
Pleuel nachgefeilt (!!) werden. Dazu gehörte aber das Können
eines Werkzeugmachers, wenn sich das später bewegen, nicht
klappern und lange halten sollte.
Wenn heute jemand einen solchen
Puch-Motor überholen will und keinen Übermaßbolzen mehr
bekommt, wird er sich nach unserer, in
Wehrmachts-Kfz-Werkstätten erprobten Methode helfen müssen:
Pleuelauge in Schraubstockspannen, ein Schlag mit dem großen
Hammer und dann feilen, ganz vorsichtig und gerade feilen!
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Herbst 1927
- die 250er
Das Fahrgestell der S 4 war, aus
Schmiedeteilen und vermufften Rohrteilen kombiniert,
zusammengeschraubt. Der Tank bestand aus einer rechten und
einer linken Hälfte, die Trennfuge wurde oben durch ein Blech
abgedeckt. Das sah aus wie ein durchgehender Tank, bei einer
Beule brauchte man aber nur eine Hälfte auszuwechseln, was
zudem sehr schnell ging.
Unter dem Tank, auf dem Zylinderkopf, saß
ein Hebelwerk, das über Bowdenzug vom Gasdrehgriff aus
betätigt wurde. Ein Stück Drahtseil führte senkrecht nach
unten zum Schieber des Original Puch-Vergasers mit (1935!) 26
mm Durchlass, ein in der Länge verstellbares Gestänge zum
Mengenregulierhebel der Frischölpumpe am Getriebe, deren
Fördermenge damit von der Gasschieberstellung abhängig war.
Noch ein paar originelle Sachen von der S 4: Zur Befestigung
von Zügen und Gestängen an den Hebeln wurden
überdimensionierte Druckknöpfe verwendet -auch etwas, was ich
bisher nur bei Puch gesehen habe.
Die Zylinderkopfschrauben hatten ein 8er
Vierkant, zu dem man einen kleinen Spezialschlüssel brauchte.
Der Zündverstellhebel befand sich seitlich neben dem
Handschalthebel und verdrehte über ein Gestänge den
Unterbrecher der Milles-Lichtmaschine, die vorn an den Motor
angeflanscht war.
Die Abdichtung des Kurbelgehäuses am
vorderen und hinteren Lager erfolge nicht durch Filzringe,
Manschetten-Dichtungen oder Burgmann-Material, sondern sehr
elegant mit Stahlmembranen, die sich auf Innen- und Außenringe
der Wälzlager dicht auflegten. Spielend leichter Lauf der
Kurbelwelle war typisch für den S 4 Motor, dessen Pleuellager
man übrigens auf der Werkbank, ohne hydraulische Presse,
Zentriereinrichtung und Messuhr auswechseln konnte.
Scipio |

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Motorräder |
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Quelle |
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"Das Motorrad"
1973, Heft 17.
Text: Scipio
Links zum Thema:
Infos auf:
www.1990greif.de |
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