Puch T3 und S4
Zu den beliebtesten Maschinen, die jemals
bei uns erzeugt wurden, gehört sicherlich die S4 und ihre
Tourenausgabe mit Dreiganggetriebe, die T3. Was man mit und
aus einer S4 machen kann, haben unsere besten Rennfahrer
gezeigt und bewiesen. Was eine S4 oder T3 aushält und leistet
beweisen viele, viele Exemplare dieser ausgezeichneten
Fahrzeuge, die heute wie eh und je über unsere Straßen rollen.
Heute ist eine S4 sehr billig beim Kauf, natürlich, sie hat ja
auch nahezu 20 Jahre auf dem Buckel. Es gibt aber doch eine
Reihe von Firmen, die sich auf Ersatzteile für diese Modelle
spezialisiert haben und dem Manne, der ja durch seine Wahl
schon den überschlanken Geldbeutel dokumentiert, gerne mit Rat
und Tat zur Seite stehen.
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Zeitgemäße
Leistung - auch nach 20 Jahren
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Hier ein Bild von der S 4, sie war ein
erprobtes und unverwüstliches
Gebrauchsrad, gleichzeitig aber auch ein ausgezeichnetes
Sportmodell.
Während die T 3 (also das Tourenmodell) eine sehr weiche
Fahrweise
erlaubte, ist die S 4 etwas unelastisch. Die Straßenlage
der Modelle mit
der Pressstahlgabel ist ausreichend, wenn man auch nicht
mit heutigem
Maßstab messen darf: |
1929 kam seinerzeit die erste Puch 250
heraus, die dann im Laufe der Jahre ständige
Detailverbesserungen erfuhr und schließlich in der
Tourenvariante 1937 als Modell T3 ihren hervorragenden
Abschluss fand. Mit dem großen S-4-Zylinder, aber in
friedlicher Version, hatte die T3 dann 8,5 PS, war aber
wesentlich angenehmer zu fahren. Auch die S 4 mit ihren 10,5
PS entstammt dieser Touren-Puch-Reihe, sie war seinerzeit ein
hervorragendes Sportmodell, das sich auch ausgesprochen gut
für Frisierarbeiten eignete.
Die T3 erreicht — wenn sie in Ordnung ist
— gut und gerne ihre 95 km/h, die S4 bis zu 100 bzw. 105 km/h.
Die Motoren sind absolut drehzahlfest und wärmemäßig nicht
klein zu kriegen. Beide Modelle sind ausgesprochen sparsam,
bei der T 3 kann man mit 3,0 bis 3,2 Liter auf 100km rechnen,
bei der S 4 eine Kleinigkeit mehr. Wesentlich ist, dass die
Startschraube korrekt schließt, sonst steigt der Verbrauch bis
auf das Doppelte.
Wie immer bei solchen Maschinen, soll man
etwas auf das Aussehen achten. Gesamtlackierungen und Chrom
sind immer teure Spaße. Glücklicherweise sind ja diese
Maschinen schwarz lackiert und kleinere Ausbesserungen sind
daher kein Problem. Ist die Gabel beschädigt, so dass eine
Reparatur große Kosten verursachen würde, ist es vielleicht
angezeigt, an eine moderne TF-Gabel zu denken. Sie lässt sich
gut und leicht dem vorhandenen Hauptrahmen anpassen und fügt
sich harmonisch in das Gesamtbild der Maschine. Der
Hauptrahmen mit den Schmiedeteilen sollte schon in Ordnung
sein.
Die Naben sind das nächste Sorgenkind.
Vorne ist eine normale Innenbackenbremsnabe, die sich, falls
es wirklich notwendig sein sollte, leicht reparieren lässt.
Neue Lager, Trommel ausdrehen und neue Beläge, wird
wahrscheinlich alles sein. Hinten ist die Geschichte schon
wesentlich komplizierter. Diese Modelle haben ja nicht nur
Zahnkranz und Hinterradbremse auf bzw. in der Nabe, sondern
auch Kupplung samt Servo-Kupplung. Das ist schon ein kleiner
Jammer und wer sich mit dem Ding nicht von früher her
vollkommen auskennt, tut bestimmt besser daran, wenn er gleich
zu einem ordentlichen Puchspezialisten geht. Ist diese
Nabenkupplung einmal richtig gemacht und genau eingestellt,
hält sie gewöhnlich -zig Jahre. Also, es zahlt sich nicht
aus...
Dann der Motor-Getriebeblock. Getriebe ist
bei Puch nie ein Problem gewesen. Diese Getriebe sind nahezu
unverwüstlich. Der Motor selbst, der einfache und robuste
Zweikolben-Zweitakter kann leicht wieder in Schuss gebracht
werden. Die Spezial-Dichtungen, die Kurbelgehäuse samt Welle
abdichten, gehören sicher erneuert, ebenso das Pleuellager. Es
ist eine alte Krankheit der S4/T3, nach 15 bis 20.000km sind
die Pleuellager gewöhnlich „hinüber". Neue Kolben und
Zylinderschleifen ist bei diesen Modellen billig und, immer
vorausgesetzt die Notwendigkeit, gibt die Gewähr für eine
sehr, sehr lange Laufzeit. |

Sanieren lohnt
sich
Die
Zünd- und Lichtanlage der S 4/T 3 ist ausgesprochen gut,
verlässlich und langlebig. Wahrscheinlich wird sie in Ordnung
sein, aber, um sicher zu gehen, lässt man sie vom
Elektrospezialisten überprüfen. Wenn dieses Aggregat einmal in
Ordnung ist, kann man es so vergessen wie das Getriebe. Die
Ölpumpe ist auch so etwas Ähnliches. Ich kann mich beim besten
Willen nicht erinnern, jemals von einer kaputten Ölpumpe bei
einer S4 gehört zu haben. Das Gestänge der Pumpe ist mit dem
Gaszug durch eine so sinnreiche Schaukelvorrichtung gekuppelt,
dass man sich nur wünschen könnte, die modernen Maschinen
hätten das auch.
Alles
ist leicht zugänglich, man kann schon bei oberflächlicher
Besichtigung der Maschine feststellen, wieweit Abnützung
vorliegt. Die Zündspule liegt in der Unterseite des
Benzintanks verborgen. Steht „Bosch" drauf, dann kann man
ruhig schlafen, eine Erneuerung wird nicht notwendig sein.
Beim Vergaser ist der Sitz der Nadel und der Schwimmernadel
interessant. Ein ausgeleierter Gasschieber spielt wenig Rolle.
Auch ein neu eingepasster Schieber wird sehr rasch zum
„klimpern" neigen. Das hat fast gar keinen Einfluss auf die
Leistung des Motors. Das Originalauspuffrohr soll man
unbedingt verwenden, Länge und Querschnitt sind für den
Puch-Motor außerordentlich wichtig. Die besten Resultate wird
man auch immer nur mit dem Original - Schalldämpfer erzielen.
Aber ja nicht den ganz alten, flachen Dämpfer nehmen, der rußt
nämlich im kürzesten Zeitraum zu und ist dann unbrauchbar, den
späteren, runden und zerlegbaren Dämpfer, das ist der Topf für
die S 4/T 3. Wer eine T 3 unbedingt in eine S 4 verwandeln
will, muss bedenken, dass dann die linke, senkrechte
Rahmenstrebe, die vor dem Getrieberitzel mit dem
Rahmenunterzug zusammenkommt, im Wege ist.
Die
Maschinen sind für fast alle Zwecke verwendbar. Solo und mit
Sozius ist die Leistung auch heute noch befriedigend. Eine
gute S 4 gibt einer modernen Maschine nicht viel nach. Ein
wenig Achtsamkeit wegen der Straßenlage wird aber am Platze
sein. Das hohe Gewicht der Kupplungsnabe macht sich in manchen
Situationen bemerkbar. Für Gespannbetrieb sind die beiden
Modelle auch geeignet, aber mit Vorbehalt. Der Seitenwagen
muss wirklich sehr leicht sein und möglichst schmal in der
Spur, sonst könnte der Rahmen doch leiden, außerdem muss man
ein kleineres Kettenritzel am Getriebe nehmen. Der
Kettenverschleiß wird durch die damit bedingte, starke
Krümmung der Kette wesentlich größer werden. Man muss sich das
alles vor Augen halten und man muss immer wissen, was man
will, was man kann und auch was man von seinem Fahrzeug
verlangen kann. Wer sich also das im stillen Kämmerlein durch
den Kopf hat gehen lassen, der gehe mit frischem Mut auf die
Suche nach seiner S 4. Nur keine Minderwertigkeitsgefühle.
Andere kochen ja auch nur mit Wasser, wenn sie noch so mit
dicken PS-Zahlen herumwerfen. Verdanken nicht unsere besten
Fahrer ihr Können einer harten Lehrzeit auf einer S 4?
Hew. P.
Glenn |

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Motorräder |
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Quelle |
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"Motorrad
Internationale Fachzeitschrift",
1956, Heft 2. |
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